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Gutes für den Bauch

Der Bauch will raus!

Vorbei sind die Zeiten, in denen weibliche Rundungen gefeiert und gepriesen wurden. Der durchtrainierte Flachbauch ist angesagt. Weiche, runde, wohlige Bäuche sind out! In der Wellnessabteilung eines großen Buchhandels fand ich ein Buch mit dem Titel „Der Bauch muss weg“. Das heißt: Diät, Sport, Muskelaufbau und Fettabsaugen!

Flach ist sexy (!?)

Was geschieht, wenn wir unserem Bauch mit dieser rigiden Einstellung begegnen und uns aufmachen, ihm und seiner Bedeutung den Kampf anzusagen? Was sind die Folgen davon? Haben wir es nach harter Arbeit und Entsagungen zum Flachbauchs geschafft, entsprechen wir zwar äußerlich dem verhungerten Schönheitsideal, das uns die Medien ständig vor Augen halten. Wir sind vielleicht sogar stolz auf die Leistung uns diszipliniert die Pfunde abgespeckt zu haben, sind zufrieden, weil wir uns jetzt endlich attraktiv und begehrenswert fühlen, da wir nun in Kleidergröße Größe 34 passen. Aber diese Zufriedenheit ist nur oberflächlich (an der Oberfläche des Bauches). Der ideale Bauch gleicht eher einem unerreichbaren Ziel.

Und je mehr wir versuchen, den Bauch einzuzwängen, desto mehr entfernen wir uns von dem, was der Bauch uns eigentlich zu bieten hat. In unserem Bauch sprudelt eine unermessliche Lebensquelle, das Hara. Es liegt ungefähr vier Zentimeter unterhalb des Bauchnabels. Aus dem Japanischen stammt das Wort „Harakiri.“ Es bedeutet Selbstmord. Beim Harakiri wird ein Messer in das Hara, unser Lebenszentrum, hineingestoßen.

Wir begehen Harakiri

Auf eine Art begehen wir Harakiri, wenn wir unseren Bauch schlecht behandeln und beschränken: durch enge und einzwängende Kleidung, in der der Bauch nicht atmen kann, durch hartes Training, wenn wir uns durch Liegestütze und Leistungssport die weichen Rundungen wegtrimmen wollen, durchs Baucheinziehen, durch Essen, das er nicht mag und vor allem durch unsere kritische und ablehnende Haltung ihm gegenüber. Wir opfern unseren natürlichen Bauch einem künstlichen Schönheitsideal. Man könnte sagen, dass wir ihm feindlich gesinnt sind. Diese Einstellung hat weit reichende und schädliche Folgen, deren wir uns nicht bewusst sind.

Der Bauch ist das Zentrum unseres Wesens

In der chinesischen Medizin wird der Bauch als Quelle kosmischer Energie angesehen. Das Hara liegt hier und gilt als das „Tor des Lebens“. Ist es verschlossen, fließt die energie nicht, sind wir energetisch unterversorgt. In einem seiner Diskurse benutzt der Mystiker Osho das Bild eines Baumes, dessen Wurzeln das Hara symbolisieren. Von diesen Wurzeln ausgehend verteilt sich Energie in dem Baum in die verschiedenen Äste, die Chakren, Energiezentren und auch in die verschiedenen Meridiane,sich abgliedernde Energiebahnen. Ziehen die Wurzeln kein Wasser, keine Lebensenergie aus dem Hara vertrocknet der Baum, haben wir keine oder nur wenig Lebensenergie.

Im östlichen Verständnis ist der Bauch unser Zentrum, das Zentrum unseres Wesens. So gibt es viele traditionelle Körper-, Atem und Achtsamkeitsübungen, die die Kraft des Haras stärken und kultivieren. Das Hara ist der Platz, aus dem z.B. japanische Schwertkämpfer, Zen-Bogenschützen oder Kalligraphiemeister ihre Energie schöpfen. Viele chinesische und japanische Buddhastatuen haben dicke Bäuche. Viel runder, als sie im realen Leben waren. Womit angedeutet wird, wie viel Achtung dem vollen Bauch geschenkt wurde. Ein runder Bauch symbolisiert ein großes Hara und viel Lebensenergie. In der westlichen, wissenschaftlich orientierten Welt ist der Glaube allgemein verbreitet, dass unser Kopf, unser Denken uns als Menschen definiert. Der Bauch wird auf die Verdauung der Speisen reduziert und somit ein dem Kopf untergeordnetes Organ.

Und was sagt die Wissenschaft?

Neueste wissenschaftliche Forschungen belegen aber, dass im Darmgekröse die gleichen Gehirn- und Nervenzellen vorhanden sind wie im Kopf. Im Bauch werden wichtige Botenstoffe produziert, die unsere Stimmungen und Gefühle steuern und bestimmen.
Emeran Meyer (siehe „Der Bauch - das 2. Gehirn“, GEO 11, 2000), ein Neurowissenschaftler aus Amerika, vermutet sogar die Ursache von Depressionen in einer Fehlfunktion der Bauchhirnzellen. Das Bauchhirn, ein neuer Ausdruck der Gastroenterologie, soll im kompliziert verknüpften Zusammenspiel mit dem Kopfhirn unser Unterbewusstsein bilden. Soweit die jüngste Wissenschaft.

Der Bauch ist der Sitz unserer Intuition

Im Volksmund weisen viele Redewendungen auf die Bedeutung des Bauches hin: „...aus dem Bauch handeln“, „...erstmal verdauen müssen“. Wie Günther Jauch so gerne in seiner Quizsendung fragt: „Was sagt Ihnen Ihr Bauch?“. Die alte Weisheit aus dem fernen Osten legt große Bedeutung auf das Wohlergehen und die Pflege des Bauches, er wird als Ratgeber und Energiespender auf dem Lebensweg angesehen.

"Schönheitsideale"

Und was machen wir? Wir quälen ihn durch Schönheitsideale, die uns von der Modeindustrie aufgedrängt werden und verleugnen unsere Natürlichkeit. Vor allem für Frauen gilt dass, gerade in Deutschland, unserem „Vaterland“, das weibliche Prinzip mit Qualitäten wie Weichheit, Hingabe und Gefühl abgelehnt und unterdrückt wird.
Durch künstliche Ideale, denen wir hinterher jagen, verlieren wir die Verbindung zu unserer Quelle, schnüren den Bauch ab und hindern ihn so daran, uns an seinen Schätzen zu bereichern.
Durch unsere Haltung kreieren wir ein negatives Feld, in dem er nicht funktionieren kann. Den Bauch abzulehnen heißt auch, uns von der Kraft des Fühlens abzuschneiden, uns selbst den Saft abzudrehen. Und nur, weil der Bauch nicht richtig funktionieren und produzieren kann. Die Chemie stimmt nicht, wissenschaftlich gesagt, ganz einfach.

Das Hara ist der Sitz des Willens

Osho spricht vom Hara als dem „Sitz des Willens“. Ohne Verbindung zum Hara sind wir wurzellos, ohne nährende Verbindung zur Existenz und es fehlt der Sinn für die eigene Richtung im Leben. Ohne Verbindung zu unserem Hara können wir nicht wahrnehmen und unterscheiden, was gut und ideal für uns ist und laufen fremden Idealen hinterher (z.B. einem flachen Bauch), die uns nur noch weiter von uns entfernen. Eine wahre Teufelsspirale.
Fast wirkt es so, als habe sich jemand diese Schönheitsideale ausgedacht, um uns von unserer eigenen Kraft abzulenken, so dass wir wie die Schafe hinterherlaufen und brav tun, was verlangt wird, aber auf gar keine Fall eine eigenen Willen haben.

Liebe deinen Bauch und er wird es dir danken

Er dankt mit Wohlgefühl, Kraft und authentischen Bedürfnissen, die dir eine ganz für dich bestimmten Weg weisen. Betrachte ihn mit neuen Augen und verwöhne ihn.


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